Handelsblatt heute: Interview zur Fleißlüge – vow!

Damit habe ich nicht gerechnet: Carina Kontio hatte mich interviewt – für LeaderIN, einem Forum von LinkedIN für Frauen in Führungspositionen. Und dann heute das: zwei Print-Seiten.

Wie enge Beziehungen gelingen

Wie Bindung gesund ist und gelingen kann, das zeigt die Polyvagal-Theorie von Prof. Stephan W. Porges. Bei ihm geht es um Emotionen, Bindung und Kommunikation sowie um die feinen Prozesse, wie genau all das entsteht. Mein erstes Learning: Sensationell – der Beziehungs-Code!

Porges geht davon aus, dass es eine sinnvolle und damit auch erfolgreiche Abfolge gibt, um vom Kennenlernen zur Bindung zu kommen. Und zwar heißt das: Wir beginnen ein soziales Engagement, wenn wir uns mit jemandem sicher fühlen (1), verlassen uns dann in dieser Bekanntschaft auf unsere Wahrnehmungen (2), üben des weiteren, wie sich Nähe und Distanz anfühlen (3) – und genau dann können wir uns binden (4).

Viele von uns aber machen es genau anders herum: Sie lassen sich erst ein (4), erleben dann, dass sie sich nicht sicher fühlen (1) in der Beziehung, dass Nähe nicht geht oder Distanz nicht möglich ist (3) und oft genug auch, dass sie ihren Wahrnehmungen nicht trauen können (2). Sprich: Sie haben sich mit jemandem eingelassen, der süchtig ist oder die Unwahrheit sagt oder in Illusionen lebt – oder mit jemandem, der nicht mich meint, sondern mein Geld, meinen Status, mein Image. Danke, Stephan Porges!

 

Quantität vs. Qualität

Wir alle verwechseln ständig Quantität und Qualität. Und noch schlimmer: Viele von uns glauben, viel Quantität würde dann automatisch zu Qualität führen. So bei Geld. Dabei lässt sich doch leicht feststellen: Geld ist eine Grundlage, nicht mehr. Viel Geld dagegen ist auch keine Lösung.

 

 

Regeln aus dem 19. fürs 21. Jahrhundert?

Der Stern hat einen Handy-Knigge veröffentlicht:

http://www.stern.de/digital/telefon/knigge-fuers-handy-wann-schlussmachen-per-sms-erlaubt-ist-2092717.html

Ganz lustig, z.B. Regel 4: Handy und Smartphone sollten stets sauber sein.

 

Dem Umbau fehlt der Zauber

Unsere Gesellschaft ist nicht länger mit den alten Mitteln nach vorne zu bringen. Weder Wettbewerb (sprich: Fouls sind o.k.) noch Marketing (sprich: Verpackung ist wichtiger als Inhalt) noch Allokierung von Macht (sprich: Wer die Macht hat, kann sich alles erlauben) führen zu irgendwelchen sinnvollen Ergebnissen.

Bestes Beispiel liefern die Koalitionsverhandlungen in diesen Wochen: Hier wird ganz nach alter Manier politisiert, als hätten wir nichts gelernt. Wir erleben niemanden, der priorisiert, keinen, der den Rahmen definiert, und es gibt auch keine gemeinsamen Ziele der Koalitionspartner. Brauchen wir noch mehr Bankrotterklärungen eines herunter gewirtschafteten Systems als die, die uns täglich von den Medien mit verhaltenem Zynismus präsentiert werden? Sind wir wirklich so unverständig, dass uns ständig alles versprochen werden muss, damit wir bei der Stange bleiben oder kann eine Regierung es uns zumuten, Prioritäten zu setzen?

Ich jedenfalls bin es müde, diesen auf allen Ebenen, sogar symbolisch mit riesigen Tischrunden völlig überdimensionierten Gesprächen weiter zu folgen. Beim Anblick der Szenen in den Nachrichten wünsche ich mir eine Poetin, eine etwa wie Meret Oppenheim: Eine Frau, die wusste, dass Gesellschaft verzaubert werden muss, wenn sie nicht an sich selbst zugrunde gehen soll.

Ein Zauber liegt in Einfachheit, wie sie Angela Merkel uns in ihren Dialogen bietet. Schade, dass sie keine Führung übernimmt! Sie lässt die anderen säbeln und greift nur dann ein, wenn sie ihre Macht erhalten muss – nicht, wenn Führung dran ist. Leider ist auch das nicht hilfreich für den Umbau.


 

Wahnsinnskraft!

Ton wegdrehen und Video von, ja, der Fashion Week in Paris ansehen:

www.vogue.de/fashion-shows/videos/rick-owens-f-s-2014

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New York und die digitale Zukunft

New York und die digitale Zukunft – unvermittelt mehr Beziehung.

Bei einer Verlegerreise nach New York in der letzten Woche die Erkenntnis: Poesie ist wesentlicher als Politik. Zentraler Unterschied: Poesie berührt.

Politik, das war Bundestagswahl, gähnende Langeweile, uninspiriert, lebensfern. Journalismus von der gleichen Art, zum Abdanken schlecht.

Und plötzlich, auf der Jagd nach den Zukunftsstrategien im Netz, schlich sich Poesie ein. Ganz konkret erlebt in einem der verschiedenen Verlage: das war etwa der Geruch des frisch gedruckten Buches, Poesie in Inhalt wie in Form eines Gedichtbandes auf hunderten von Seiten in einer schlichten Kiste, aber auch Poesie in den Geschichten von Verleger und Verlegerin. Hier gab es keine Polarität, kein Marketing, keine Werbung. Hier atmete alles Balance, Austausch. Es gab einen Raum zwischen uns allen, der war leicht und still, wohltuend still, minutenlang fast heilig im Ernst und dabei doch ganz alltäglich. Kein Priester, kein Dogma, nur Fragen, echtes Interesse.

Das eine berührt, das andere scheint unvermeidbar. Wie könnte Politik von Poesie lernen?

Funktionelle Dummheit…

… so nennt der schwedische Organisationsforscher Alvesson die Abschaltung von Kritik- und Reflexionsfähigkeit bei an sich gebildeten Menschen in Unternehmen. Was ist darunter zu verstehen? Zunächst die Weigerung, Prozesse intellektuell zu durchdringen, dann auch der Verzicht auf ein eigenes Urteil, insgesamt eine positiv auf das Produkt gerichtete Kurzsichtigkeit. Welche Produkte und welche Branchen trifft das besonders?  Alle Bereiche, in denen Marken und (andere)  immaterielle Leistungen verkauft werden, in denen mit Geschichten und Symbolen gehandelt wird: Beratung also, aber auch Medien, Mode…

Gut für die Unternehmen, denn dort, so Alvesson, führt funktionelle Dummheit zur Steigerung der Produktivität und ist deshalb erwünscht.  (Management Studies bei Wiley, Link: doi.org/kcv) Vielen Dank auch!

 

Hilfskonstruktion ohne Grundlage

Was dem System dient
oder gut ist für den Konzern,
das hilft den Menschen.

 

Statuskrankheit

Wenn ich das Objekt
hab, dann hat das Objekt mich.
Ich hab statt ich bin.